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Die Traun - Ein Fluss wie ein Kristall

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Das Salzkammergut: Eine elementare Landschaft und dennoch ein Kulturland ohnegleichen. Ein Fluss, in Fels gefasst - schimmernd wie ein Kristall - das ist der wilde Weg des Wassers vom Dachstein zur Donau. Wasser - reines Wasser - das ist einer der Schätze dieses Landes. Somit ist das Salzkammergut eine wahrhaft überquellende Schatzkammer Österreichs.


Buch & Regie: Erich Pröll, Klaus Feichtenberger
Kamera: Erich Pröll, Hubert Doppler
Wescam / Cineflex Operator: Ralf Marterer, Javier Gonzales
Schnitt: Sonja Lesowsky
Tonmischung: Stefan Fiedler
Musik: Kurt Adametz

Eine Koproduktion von ORF, WDR, NDR Naturfilm und Pröll Film mit Unterstützung von Land Oberösterreich und CineStyria


Die Traun ist die zentrale Achse eines vielfältigen Gewässersystems: Tosende Gletscherbäche, Wasserfälle, 76 Seen, zahllose Quellen aller Art, Höhlengewässer, stille Tieflandauen, tausende Kilometer von Bach- und Flussläufen - alles das speist am Ende einen einzigen Fluss. Diese Vielfalt ist kaum fassbar - und dennoch überschaubar, und zwar buchstäblich: Von einer Anhöhe nördlich der Donau erfasst der Blick an einem klaren Tag die ganze Länge des Flusses, von den wilden, streng geschützten Traunauen im Linzer Stadtgebiet bis zum Dachstein.


Unablässig strömt kaltes Schmelzwasser über Kalk und erodiert dieses Gestein, schafft bizarre Formen und lässt am Ende ganze Gebirge verschwinden. Seit Jahrmillionen laugt es diese Massive aus - den Dachstein, das Tote Gebirge, die Salzkammergutberge. Am Fuß dieser Karststöcke tritt es zutage, nachdem es, oft monatelang, durch enge Klüfte und riesige Hohlräume geflossen ist. Sind die Hohlräume im Berginneren zum Überlaufen gefüllt, schießen mitten aus den Felswänden gewaltige Schwalle. Kein anderes Gebirge Europas ist dermaßen ausgehöhlt: Hier finden sich die längsten und tiefsten Höhlen der Alpen.


Nach der langen Reise durch den Berg fehlt dem Quellwasser Sauerstoff.
Sobald das Wasser durch Schluchten wirbelt und über Felswände stürzt, nimmt es gierig Sauerstoff auf. Aus tausend solchen Quellen speist sich die Traun.
Am Kammersee ist der Ursprung ihres wichtigsten Quellflusses. 76 Seen hat das Salzkammergut - der Kammersee ist der kleinste der ersten drei Seen, die die Grundlsee-Traun durchfließt.


Das Salzkammergut brauchte einst Unmengen Holz für den Bergbau und um riesige Solepfannen zu befeuern. Doch selbst als die Bergwälder noch ausreichend Rohstoff boten, war es kein Leichtes, ihn aus dieser unwegsamen Gegend zu bergen. Man baute in den Schluchten so genannte Klausen.


Unter einem solchen Stauwerk wurde im Bachbett die Fracht aufgeschichtet - oftmals Berge von Baumstämmen. Der Durchfluss blieb einige Stunden lang dicht. Mit dem Schwall des aufgestauten Wassers wurden tausende Stämme auf einmal durch die Klamm gespült.


Die letzte noch erhaltene ist die Chorinsky-Klause. Sie fasst das Volumen von 10 olympischen Becken: 75.000 Kubikmeter. Mit langen Haken beziehen die Flözer ihre Positionen in der Schlucht. Sie müssen dafür sorgen, dass sich die Stämme nicht verkeilen und kein gefährlicher Rückstau entsteht. Die letzte noch funktionierende Klause wird zu Schauzwecken zum allerletzten Mal aufgeschlagen. Dann ist das Flözen endgültig Geschichte.


Wenn nach sieben unwirtlichen Monaten endlich der Frühling Graben für Graben erobert, ist es Zeit für ein Fest. Die bodenständige Tradition des Ausseer Narzissenfests im Mai hat uralte, weit verzweigte Wurzeln, vom antiken Rom bis ins alte China, vom Reich der Pharaonen bis in die muslimische Kultur. Mohammed selbst war von der zarten Schönheit der weißen Sterne angetan: “Brot nährt den Leib“, schrieb er - “doch die Narzisse nährt die Seele.“


Nach dem Toplitzsee ist der Grundlsee schon der dritte See, den die Traun durchfließt. Seit anderthalb Jahrhunderten bringt diese Region Meister einer Kunst hervor, die exakte Naturbeobachtung, Kreativität und feinstes Handwerk miteinander vereint: Fliegenfischen ist ein Spiel mit ritterlichen Regeln und ohne Widerhaken.


Für den Vater aller Fliegenfischer, den britischen Erfinder Humphrey Davie, Verfasser der Fliegenfischer-Bibel „Salmonia“, war die Traun noch ein Geheimtipp.
Doch dann schrieb Davie ein Buch über seine Wanderungen mit der Angelrute durch das Salzkammergut. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts. Seither gehören die Traun und ihre Nebenflüsse zu den begehrtesten und exklusivsten Fliegenfischgewässern der Welt.


Bis in den Juli türmen sich Lawinen an der Koppentraun. Die Summe dreier Quellflüsse gehört zum Reizvollsten, was die Alpen an Wildwasser bieten.
Nicht nur für Fliegenfischer - auch für die Paddler.


Die Koppentraun fließt mitten durch einen riesigen, von ihr selbst ausgebreiteten Schuttfächer zwischen Krippenstein und Saarstein in den Hallstätter See. Seit fast drei Jahrtausenden gibt es auf diesem engen Fleckchen Erde zwischen See und Berg eine Ansiedlung. Hallstatt ist das älteste Salzbergwerk der Welt und Weltkulturerbe. Bis ins neunzehnte Jahrhundert erreichte man den Ort nur zu Wasser oder über Saumpfade. Selbst von Haus zu Haus fuhr man einst mit dem Boot.


Salz, Wasser und Holz - das waren die drei Säulen, auf denen Jahrtausende lang der Reichtum des Salzkammergutes ruhte. Hunderte Holzknechte arbeiteten einst in den Wäldern um die Traun, fernab von jeder menschlichen Behausung. Wochenlang lebten die Männer in den Bergen dieser regenreichsten Gegend Österreichs, in einem rauen, oft nassen Klima.


Forststraßen gab es seinerzeit noch keine. Alles Holz musste zum Abtransport ans Wasser. Ab dem Hallstätter See war die Traun mächtig genug, um Flöße, später auch Kähne zu tragen. Jahrhunderte lang glitten alljährlich Tausende Flöße die Traun hinunter, oft bis an die Donau und manchmal weiter bis ans Schwarze Meer.


Flöße und Traunboote waren noch lange Zeit Einwegfahrzeuge. Als jedoch Holz knapp wurde, schleppte man schließlich die Boote wieder flussaufwärts. Dafür waren gewaltige Ufer- und Flussbauten nötig: Treppelwege für Pferdegespanne, und Buhnen, die die Strömung lenkten und für gutes Fahrwasser sorgten. Reste solcher Bauten findet man noch in den Staubereichen der Kraftwerke.


Der vierte, letzte und größte See, den die Traun durchfließt, bevor sie aus dem Gebirge ins Hügelland tritt, ist nach ihr benannt: der Traunsee. Seine Ufer boten weit mehr Platz für die Siedlungen der Menschen - und diese erfreuen sich, vor allem seit der kaiserliche Hof die österreichische Tradition der Sommerfrische begründete, trotz ihrer Kleinheit großer, klingender Namen: Schloss Orth, Bad Ischl, Gmunden.


Hat die Traun einmal die Berge hinter sich, fließt sie breiter und träger dahin -und doch reicht ihr Gefälle auch hier noch für einige Staustufen. In den kilometerlangen Staubereichen ist das Wasser tief und ruhig, und seine Oberfläche erwärmt sich stärker als auf den Fließstrecken. Hier werden die Fische größer als in der Strömung. Das Nahrungsangebot ist weitaus üppiger und der Energieverbrauch geringer. Hechte sind kapitale Burschen, gut einen Meter lang und bis zu zehn Kilogramm schwer.


Siebenbrunn, das älteste Traunkraftwerk, ist seit 1888 in Betrieb. Im Lauf von 120 Jahren ist es zu einem fast schon organischen Teil des Flusses geworden. Es steht an der letzten Geländestufe und Engstelle der Traun, am Traunfall bei Steyrermühl.


Lässt der Kraftwerksbetrieb genügend Wasser übrig, donnert die Traun über den immer noch naturbelassenen Teil des Traunfalls in eine tiefe Schlucht. Hier spürt man zum letzten Mal die unbändige Energie, die diesem Fluss innewohnt.


Schon ein kleines Stück flussabwärts hat sich die Traun ausgetobt. Hier ist sie am tiefsten, am stillsten, am klarsten. Die Traun mündet im Stadtgebiet von Linz in die Donau. Und dennoch bleibt sie bis zum Ende ein Stück Wildnis.


Die Traunauen an der Donau sind streng geschützt. Trotz der Nachbarschaft zu Schwerindustrie und Siedlungsräumen wird hier eine Erinnerung an ursprüngliche Natur bewahrt. Eine kleine Insel nur, gewiss, ein winziger Rest einst ausgedehnter Auwälder. Und gerade deshalb von unschätzbarem Wert als letzter Lebensraum bedrängter Arten: Die Au - der letzte Dschungel Europas .



Fotos: Copyright by Pröll-Film

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