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Namaqualand - Der Blumengarten Afrikas

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An der Westküste Südafrikas ist jedes Jahr ein Märchen aus 1001 Farben zu bestaunen: Riesige Blütenmeere mit Mittagsblumen glühen in allen Schattierungen zwischen Gelb, Weiß, Rot und Orange. Milliarden exotische Verwandte von Schwertlilien und Astern wenden ihre Blütenköpfe dem Lauf der Sonne zu. Sogar die Steine scheinen in voller Blüte zu stehen.


Buch: Lynne & Philip Richardson, Martin Mészáros
Regie: Lynne Richardson , Philip Richardson
Kamera: Philip Richardson
Schnitt: Jörg Achatz
Tonschnitt: Cornelius Wildner
Tonmischung: Cornelius Wildner
Musik: Kurt Adametz

Eine Coproduktion von ORF mit Africa Wildlife Film, BBC, DDE, WDR und NDR


Eine solche kolossale Entfaltung von Blütenschmuck in so kurzer Zeit ist einmalig in der Natur. Dutzende Kilometer weit erstrecken sich die vielfarbigen Muster über Hügel, Dünen und Senken, säumen Berghänge und Küsten.


Und die blühende Pracht ist nicht nur ein Augenschmaus: Erdmännchen finden in dem Dickicht aus Afrikanischen Goldblumen und Kapkörbchen mehr Insekten als sie jemals fressen könnten.


Strauße machen sich gleich direkt über die grellen Bouquets her, ebenso wie die unermüdlichen Graumulle, die frische Blumen über ein weit verzweigtes Tunnelsystem von unten anknabbern.


Auch die Schafherden der Nama, deren Vorfahren schon vor Jahrtausenden in diesem afrikanischen Blumengarten lebten, streifen durch die endlos scheinende Farbenpracht.


Wenn Millionen Pflanzen auf beschränktem Raum zugleich in Blüte stehen, musste die Evolution sehr spezielle Formen der Arbeitsteilung hervorbringen. Blüten und Bestäuber haben sich gemeinsam entwickelt und ihre Bedürfnisse perfekt aufeinander abgestimmt.


Manche Bienenarten suchen in den Blütenkelchen keinen Nektar, sondern ein äußerst energiereiches Öl, das die Pflanze extra für sie bereitstellt. Damit nicht jede normale Biene an das kostbare Öl herankommt, lagern die Öltröpfchen in einem eng verwinkelten Blütenkelch. Nur eine spezielle Sägehornbienen-Art mit extra langen Beinen kann dort hineinlangen.


Netzfliegen, deren Saugrohr mehr als doppelt so lang ist als ihre Flügelspannweite, benötigen sogar spezielle Landemarkierungen auf den Blütenblättern. Ohne diese Hilfestellung würden sie die Nektarvorräte in den schlanken Lapeirousia-Blüten verfehlen, besonders bei stärkerem Wind.


Die große Blüte in Namaqualand ist einem bislang nicht restlos geklärten Wetter-Phänomen zu verdanken, das Niederschläge jeden Winter zur genau rechten Zeit in genau der richtigen Dosierung bringt.


Doch die Prachtentfaltung in Afrikas Blumengarten ist nur von kurzer Dauer. Nach wenigen Wochen verwandelt sich das größte Blumenmeer der Welt - in eine Wüste. Namaqualand zeigt damit sein wahres Gesicht. Nach wenigen Wochen des Überflusses müssen sich alle Bewohner auf die endlosen Monate der Trockenperiode einstellen.


Einige der Blumen speichern ihre Feuchtigkeit für besser Zeiten unterirdisch in Zwiebeln, andere in ihren voluminösen Blättern, manche amputieren sogar Teile ihres Körpers, um Wasser zu sparen.


Besonders in der Quarzstein-Wüste der Knersvlakte lassen sich die extremsten Effekte beobachten. Wo sich kurz zuvor riesige Flächen mit gelben, violetten oder roten Mittagsblumen erstreckten, liegt jetzt nur mehr eine gleißende weiße Fläche: Die Blumen haben sich augenscheinlich in Steine verwandelt. Nur wenn man ganz genau hinsieht, kann man die verblichenen Pflanzen erahnen.


Wer kann, verlässt diese Hölle. Die Strauße ziehen Richtung Küste, wo die Wüste ein milderes Gesicht zeigt. Die Nama zieht es mit ihren Schafen, Ziegen und Eselskarren in die entgegen gesetzte Richtung: Sie folgen den uralten Wanderrouten der Springböcke ins Landesinnere. Überall ist es jetzt besser als in der öden Landschaft, die kurz zuvor noch Afrikas Blumengarten gewesen ist.


Es bleibt nur, wer nicht anders kann. Wie die Erdmännchen, die jeden Tag tiefer und länger graben müssen, um fressbare Insektenlarven oder Skorpione zu finden.


Erdmännchen sind äußerst fürsorglich und hilfsbereit, nicht nur ihren Jungen gegenüber - auch untereinander. Doch der brennende Hunger bringt ihr Sozialsystem ins Wanken: Sie kämpfen mit ihren eigenen Jungen um die letzten Bissen.


Doch irgendwann, nachdem die Lebenskräfte aller Bewohner von Namaqualand ans äußerste Limit strapaziert worden sind, kehren sie wieder: Die Regenstürme und Nebelbänke des Winters.


Sie bereiten das Land auf seinen großen Auftritt vor. Zuerst entfalten nur ein paar vorwitzige Spezialisten ihre Blüten in der kalten Winterluft:


Insekten gibt es zu dieser Zeit kaum, deshalb lassen sich die Köcherbaume von Nektarvögeln bestäuben und Massonia-Blüten von südafrikanischen Rennmäusen.


Dann lässt das Wunder von Namaqualand noch einige Wochen auf sich warten. Denn erst wenn die milde Frühlingssonne auf die gut durchfeuchtete Erde scheint, wird diese wunderbare Verwandlung möglich: von der verbrannten Erde zum Blumengarten Afrikas.



Fotos: Copyright by African Wildlife Film

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