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Das Mysterium Namibias

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Kreisrunde Grasringe, die kahle Flecken umschließen irritieren im gleichförmigen Bild der Namib. Sie bestehen aus rotem Sand - dem Grundstoff der Wüste, der sich zu riesigen Dünen auftürmen kann. So kennt man die älteste Wüste der Welt. Doch kaum überzieht ein dünner Flaum von Vegetation den Sand, tauchen sie wieder auf, die Feenkreise - sie sind das Mysterium Namibias.



Buch und Regie: Barbara Fally-Puskás
Kamera: Josef Neuper, Ian McCarthy
Schnitt: Jörg Achatz
Ton: Joe Knauer
Mischung: Eckart Goebel
3D-Animationen: Jörg Achatz
Gesang: Oumou Mariko
Musik: Kurt Adametz

Eine Koproduktion von ORF und epofilm in Zusammenarbeit mit ORF-Enterprise und MagicTouchFilms



Feenkreise - Das Mysterium Namibias
Es gibt sie von Südafrika bis Angola. Sie durchkreuzen das Gebiet der Wüstenelefanten und sind ein auffälliger Teil der Landschaft. Bis zu 50 Meter Durchmesser erreichen diese Kreise. Obwohl es Tausende von ihnen gibt, weiß noch niemand, was es mit diesen markanten Flecken auf sich hat.


Norbert Jürgens von der Universität Hamburg reiste 1980 erstmals ins südliche Afrika, um die Pflanzenwelt zu studieren. Seither lässt ihn der Kontinent nicht mehr los. Die Feenkreise haben es ihm angetan. Seit zehn Jahren nützt der vielbeschäftigte Wissenschaftler jede freie Minute für sein Steckenpferd. Was fasziniert einen Botaniker an einem kahlen Fleck im Gras?


Feenkreise sind im Südwesten Afrikas keine Ausnahmeerscheinung - sie sind ein Massenphänomen. Der Biologe glaubt nicht an eine zufällige Laune der Natur. Für die örtliche Bevölkerung sind die runden Flecken in der Namib nichts Besonderes.


Viele Farmer glauben, dass Wildtiere die Feenkreise verursachen, indem sie sich immer wieder an denselben Stellen wälzen. Strauße, Zebras und Oryxantilopen nutzen zwar tatsächlich solche Kahlstellen für ein Staubbad oder als vorgewärmten Ruheplatz.


Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Tiere die Landschaft so konsequent gestalten. Vegetationslöcher von diesem Ausmaß und in dieser Anzahl – allein das wäre verwunderlich. Dazu kommt die exakte Form der Feenkreise.


Manche Forscher verdächtigen ein hochgiftiges Wolfsmilchgewächs, das in der Namib weit verbreitet ist. Die Wolfsmilch soll den Boden derart vergiften, dass hier nach ihrem Tod nichts anderes mehr wächst. Andere vermuten eine gasförmige Substanz die das Wachstum verhindert.


Mit Hilfe eines Luftbilds aus dem Jahr 1956 und einem Satellitenbild von 2006 kann Jürgens zeigen, dass es in fünfzig Jahren rund 10 % Austausch gibt, also bei hundert Feenkreisen kommen zehn neue dazu und zehn verschwinden. Die Rechenaufgabe, weitergedacht, ergibt, dass Feenkreise mehr als hundert Jahre alt werden können.


Vor etwa genau so vielen Jahren wurden in Namibia die weltweit größten Meteoritenreste gefunden. Auch das inspirierte die Phantasie. Doch kann man angesichts der Tatsache, dass alle zwei, drei Jahre neue Feenkreise entstanden sind, ausschließen, dass Meteoritenschauer die Ursache sein könnten. Weil die gibt es nicht regelmäßig und nicht immer mit solcher Größenordnung.


Jürgens hat alle Feenkreisgebiete von Südafrika bis Angola besucht, er hat tausende Fotografien angefertigt, hunderte Kahlstellen genauestens vermessen und jedes Detail notiert. Um seine Forschungsobjekte auch von Innen kennen zulernen, muss er graben.


Der Boden aus der Mitte eines Feenkreises ist dunkel und feucht. Und trotz der Feuchtigkeit, wichtig in der Wüste, können wir hier keine Spuren von Leben entdecken. Es gibt das kostbarste Gut in einer Trockenregion und dennoch lebt hier nichts. Ein Paradoxon.


In der Mitte der Kreise, im eigentlichen Wasserspeicher, wurde Jürgens nicht fündig. Im Luxusgürtel jedoch wimmelt es von ständigen Bewohnern. Die hohen Grasringe bieten gute Versteckmöglichkeiten, und wenn rundherum alles verdorrt, wächst auf den Luxusgürteln nach wie vor frisches Grün. Es scheint, als wären diese mysteriösen Ringe gar ein Hort des Lebens inmitten einer ausgedehnten Ödnis…


In den Abendstunden ziehen sich die Weidetiere zurück. Jetzt ist die Zeit der Schakale, Hyänen und Raubkatzen. Was spielt sich im Schutz der Finsternis auf den Feenkreisen ab?


Nun richtet er seine Aufmerksamkeit auf den Luxusgürtel. Eine Strategie, die sich lohnt. Hier war eindeutig jemand am Werk. Was ist das? Und wer kann für diese Konstruktion verantwortlich sein? Jürgens muss die Erbauer unbedingt finden…


Die Feenkreise sind also bewohnt. Von Sandtermiten. Deshalb durchkämmen Goldmull und Skorpion die Kahlstellen, und deshalb hinterlassen Erdferkel und Erdwolf ihre Grabspuren. Von den Gräsern der Luxusgürtel zehren die Feenkreisbewohner vor allem in der Trockenzeit.


Diese krustenartigen Gebilde formen kleine Röhren, die die Halme überziehen, und die Termiten vor der für sie tödlichen Sonneneinstrahlung schützen. Im dunklen Gang können die lichtscheuen Wesen auch tagsüber die weichen Teile des Grases abfressen.


Doch zuerst müssen die Termiten die Überzüge bauen. Sandkorn für Sandkorn schaffen sie nach oben. So entsteht eine feine Schicht, die die Gräser ummantelt, ohne ihren Wuchs zu beeinträchtigen. Die Sandtermiten errichten einen heimlichen Garten, für dessen Bewässerung sie Sorge tragen und den sie ungestört beernten können.


Der Botaniker ist davon überzeugt, dass die Sandtermiten eine ganz wichtige Rolle in der Namib spielen. Durch ihre Umverteilung der Ressourcen ermöglichen sie ein dauerhaftes Leben in einer Region, die sonst monatelang zu trocken wäre.


Indem sie auf Kosten einer kreisrunden Vegetationsfläche für einen dauerhaften Luxusgürtel sorgen, betreiben die Sandtermiten eine Form von nachhaltiger Landwirtschaft, von der alle profitieren.


Sie schufen ein Mysterium, das viele Wissenschaftler beschäftigt hat. Norbert Jürgens hat sie letztendlich entdeckt: die Sandtermiten - die Gestalter der Feenkreise.

Fotos: Copyright by ORF

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