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Ol’ Man River - Mächtiger Mississippi
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Der Ol’ Man River ist ein Fluss der Superlative. Sein Einzugsgebiet hat die Größe des indischen Subkontinents, und mit seinem rund 3.800 Kilometer langen Lauf ist der Mississippi der drittlängste Strom der Erde. Seine Sümpfe und Bayous beherbergen eine spektakuläre Tier- und Pflanzenwelt, aber der Ol’ Man River ist mehr als das. Er verkörpert wie kein anderer den Mythos der Vereinigten Staaten: den Kampf vom Werden einer neuen Nation, die Eroberung der Wildnis, die Erschließung des Wilden Westens, den Untergang der Indianer und das Leid der schwarzen Sklaven.


Buch & Regie:Michael Schlamberger,Steve Nicholls
Kamera: Michael Schlamberger,Rolando Menardi, Kevin Flay
Schnitt: Andrew Naylor
Tonschnitt: Lukas Kogler
Tonmischung: Rupert Metnitzer, Raimund Sivetz
Musik: Kurt Adametz

Eine Produktion von ScienceVision für ORF, in Koproduktion mit ARTE und ZDF


Dass es bisher noch keine große Naturdokumentation über den Mississippi gab, ist kaum zu glauben. Jetzt erzählt das Regie-Duo Michael Schlamberger und Steve Nicholls die Geschichte des mächtigen Stromes in Spielfilmlänge. Von seiner Mündung in den Golf von Mexiko bis zu seinem Quellgebiet im Itascasee in Minnesota, von der einst reichen Natur an den Ufern des Mississippi bis zu den übervölkerten Millionenstädten der Gegenwart spannt sich der Bogen dieser Zeitreise, die die wahre Natur des berühmtesten Stroms Amerikas aus dem Blickwinkel seiner Entdecker erzählt.


Gezeigt werden die großen Momente in der Entdeckungsgeschichte des Mississippi und seines größten Zubringers, des Missouri, ebenso wie die charismatischsten Tiere der USA - Bisons, Präriehunde, Rotwölfe oder mächtige Wapiti-Hirsche.


Unter Wasser trifft man im Mississippi Seekühe und riesige Alligatoren und prähistorische Fischgiganten wie Knochenhecht und Löffelstör.


Im Verlauf dieses 90minütigen Specials wird man den speziellen Charme des Mississippi spüren und seine vielen Gesichter kennen lernen - das Cajun-Feeling des Südens ebenso wie das Wildwest-Image des Nordens. Computeranimationen und Spielszenen erlauben Zeitreisen in die Vergangenheit des Stromes - in die Zeiten Marks Twains und der Mississippi-Dampfer, des spanischen Konquistadors Hernando de Soto oder der frühen französischen Entdecker.


An verschiedenen charakteristischen Orten, wie New Orleans, Memphis oder St. Louis wurde mit Hilfe neuester Computertechnologien die Zeit zurückgedreht, und die pulsierenden Metropolen verwandeln sich in das Land, das die ersten weißen Entdecker vorfanden.


Die Geschichte der Entdeckung beginnt im Süden, wo die gigantischen Wassermassen des Mississippi eine einzigartige Sumpflandschaft geformt haben - das Delta. Eine grüne Wildnis. Sümpfe und Urwälder, bewohnt von Indianern.


Mächtige Sumpfzypressen stehen im Wasser. Hier leben Alligatoren, Schlangen, Opossums, Pelikane und Biber. Das war das Land, das der spanische Konquistador Hernando de Soto vorfand, als er als erster Europäer am 8. Mai 1541 auf den Mississippi stieß. Er war zwei Jahre zuvor an der Küste des heutigen Florida gelandet und hatte seine Armee auf der Suche nach Gold und Sklaven ins Landesinnere geführt.


Doch anstatt der vermuteten Schätze stieß er auf einen mächtigen Fluss, der ihm den Weg nach Westen versperrte. De Soto hatte kein Interesse daran, den Strom, den er Rio de Espiritu Santo - Fluss des Heiligen Geistes - nannte, zu erforschen. Für ihn war er lediglich ein Hindernis, dessen Überquerung ihn mehr als einen Monat kosten sollte.


Auch jenseits der mächtigen Barriere konnte er keine Reichtümer erbeuten. De Soto starb schließlich im Jahr 1542 an den Ufern des Mississippi.


Rund 40 Jahre vor der Gründung der Delta-Metropole New Orleans erreichten die ersten französischen Entdecker das Delta. Im Jahr 1682 war René Robert Cavelier de La Salle von Neufrankreich, dem heutigen Kanada, aufgebrochen und den Mississippi bis zu dessen Mündung stromabwärts gefahren.


Auf einer kleinen Insel im Delta errichtete sein Trupp ein Holzkreuz und nahm alle Gebiete um den Mississippi für die französische Krone in Besitz. La Salle taufte das Territorium La Louisiane´, nach dem Sonnenkönig Louis XIV.


Die Franzosen fanden in der Deltaregion unermessliche Naturschätze vor, und besonders die Pelztiere hatten es ihnen angetan. Als die Franzosen ins Mississippi-Tal vordrangen, wimmelte es hier nur so von Bibern. Der Handel mit diesem Rohstoff war schließlich so erfolgreich, dass der Biberpelz sogar zu einer anerkannten Währungseinheit wurde.


Anfangs bemühten die Franzosen sich auch um gute Beziehungen zu den indianischen Ureinwohnern, die sie mit Nachschub versorgten, doch als der Handel immer mehr an Bedeutung gewann, verschlechterten sich die Beziehungen.


Im Jahr 1729 erhoben sich die Natchez-Indianer und griffen das französische Fort Rosalie an, aber die Waffen der Franzosen erwiesen sich als überlegen. Die Indianer wurden vernichtend geschlagen. Der Stamm der Natchez, der La Salle so freundlich empfangen hatte, hörte auf zu existieren.


Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts war der mächtige Strom nur ein Hindernis, das den Entdeckern den Weg westwärts versperrte, den Missouri, den größten Zubringer aus dem Westen, hatte aber keiner von ihnen erforscht. Erst im Jahr 1804 machte sich die erste große Missouri-Expedition auf.


Präsident Thomas Jefferson hatte kurz davor das riesige Louisiana von Frankreich erworben, das weit größer war als der heutige Bundesstaat. Dieser Ankauf hatte die Fläche der noch jungen Vereinigten Staaten mit einem Schlag um mehr als das Doppelte vergrößert, doch bislang war nur ein Bruchteil des so genannten Louisiana-Landkaufs erforscht worden.


Jefferson beauftragte Captain Meriwether Lewis und Lieutenant William Clark, den gesamten Missouri zu erforschen und auszukundschaften, ob der Fluss in den Pazifik mündete. Das Corps of Discovery machte atemberaubende Entdeckungen, sie sahen Naturwunder, die noch kein Weißer gesehen hatte - die Weite der Prärie mit ihrer faszinierenden Tierwelt, die Badlands, die Rocky Mountains und schließlich die Pazifikküste.


Fast zeitgleich mit der Missouri-Expedition versuchte der Offizier Zebulon Montgomery Pike erstmals, zur Quelle des Mississippi vorzudringen. Doch er war spät im Jahr aufgebrochen und erlebte die volle Härte des Winters. Nachdem er schon den Großteil seiner Männer verloren hatte, erreichte er den Leech Lake, den er für die Quelle des Mississippi hielt.


Doch zwischen Pike und dem wahren Ursprung des Ol’ Man River lagen noch einige Seen. Wäre er dem mäandrierenden Fluss noch weiter gefolgt, hätte er die Quelle erreicht – den Lake Itasca im nördlichen Minnesota, in dem der mächtige Mississippi einen bescheidenen Anfang als Bächlein nimmt, das über ein kleines Wehr aus dem See plätschert.


Nach Zebulon Pike sollte es noch fast 30 Jahre dauern, bis der nächste Entdecker versuchte, die Quelle des Ol’ Man River zu finden - Henry Rowe Schoolcraft, der sich anders als sein Vorgänger mit Erfolg auf die Hilfe der Indianer stützte und 1832 den wahren Ursprung entdeckte. Aus dem Lake Itasca fließt der Mississippi unscheinbar südwärts, bis er durch seine zahlreichen Zubringer an Stärke gewinnt.


Der Ol’ Man River hat über die gesamte Fließstrecke und über die Jahrhunderte hinweg immer wieder seinen Charakter verändert: Für die ersten Entdecker war er ein ungezähmter Fluss, im 19. Jahrhundert ein Tummelplatz für Hunderte Raddampfer, heute ist er eine industrialisierte Wasserstraße.


Der einst frei mäandrierende Strom ist ein Handelsweg auf der gigantische Mengen Fracht durch das Herz Nordamerikas verschifft werden. Sogar Supertanker können problemlos Hunderte Kilometer weit ins Festland fahren.


Und an den Ufern des Ol’ Man River, wo Hernando de Soto nichts außer drückende Wildnis vorgefunden hatte, wuchsen Großstädte wie New Orleans, Memphis oder St. Louis heran.


Dennoch ist es auch im 21. Jahrhundert noch möglich, an manchen Stellen in die Vergangenheit zu reisen. Denn die meisten Tiere, denen die frühen Entdecker begegneten, leben auch heute noch am Fluss - wenn auch schon längst nicht mehr so zahlreich wie vor ein paar Jahrhunderten.


Ohne das riesige Flusssystem des Mississippi und Missouri gäbe es die Vereinigten Staaten, wie wir sie heute kennen, nicht. Die beiden großen Flüsse Nordamerikas sind noch immer reich an Natur- und Kulturschätzen, und der Ol’ Man River wird immer eine Lebensader der Geschichte, Kultur und Natur Amerikas sein.


Die Dreharbeiten
Zwei Jahre dauerten die Dreharbeiten während denen das ScienceVision Filmteam das gesamte Mississippi-Missouri-Flusssystem bereiste. Drei Kamerateams waren im Einsatz, um mit den enormen Entfernungen in Amerika zurechtzukommen; mehr als 45.000 Kilometer legten sie zurück, um den Fluss und die ihn umgebenden Landschaften bis zur Quelle ins Bild zu setzen.


Die Geschichte der Mississippi-Entdeckung - von den spanischen Konquistadoren über die französischen Trapper, von ihren Kämpfen mit den Indianern bis zu den großen Expeditionen der jungen amerikanischen Nation - wurde in aufwändigen Spielszenen umgesetzt, um einen Eindruck zu vermitteln, wie schwierig die Expeditionen dieser frühen Entdecker waren. Mehr als 70 Darsteller waren dazu notwendig, zusätzlich Ausrüstung, Waffen, Pferde und jede Menge Boote.


Bei den Dreharbeiten über die legendäre Forschungsreise von Lewis und Clark auf dem Missouri etwa wurde eine originalgetreue Replik ihres Bootes - ein so genanntes Kielboot - eingesetzt. ´Das Boot war eine exakte Nachbildung, nur Segel, Ruder, kein Motor´, beschreibt der britische Regisseur Steve Nicholls das Schiff.


´Nachdem wir in die Mitte des Flusses gerudert waren, kam ein kräftiger Nebraska Sturm auf und wir konnten das Boot nicht mehr kontrollieren. Egal was wir taten, das Boot legte sich auf die Seite und rammte eine Sandbank. Das ging dann weiter so, wir stießen von einer Sandbank auf die nächste. Am Ende des Tages hatten wir alle einen Sonnenbrand, waren vollkommen durchnässt und erschöpft. Aber wir wussten jetzt genau, wie sich Lewis und Clarks Männer gefühlt haben.´


´Diese Sumpflandschaften, mit denen schon de Soto seine Schwierigkeiten hatte, waren auch bei unseren Dreharbeiten keine freundliche Gegend´, berichtet Michael Schlamberger vom Dreh. ´Wir konnten nur mit kleinen, fragilen Booten die seichten Gewässer befahren, rund um uns herum jede Menge Alligatoren und Giftschlangen.


Immer wieder mussten wir aussteigen, wenn wir im seichten Wasser hängen geblieben sind, und die Boote schieben. Und schlimmer noch, vom wackeligen Boot konnte man nicht mit langen Brennweiten drehen. Der Kameramann musste aussteigen und stundenlang unbeweglich im hüfthohen, undurchsichtigen Wasser stehen.


Die Musik
Eine besondere Bedeutung wurde der Produktion der Filmmusik beigemessen - handelt es sich doch auch um eine Reise durch die junge amerikanische Musikgeschichte. Der musikalische Bogen reicht von den typischen Klängen des Südens, wie dem Delta-Blues und der Cajun-Musik über New Orleans Jazz, Dixieland und dem unverwechselbaren Memphis-Sound bis hin zur lebensfrohen Country-Musik und romantischen Wildwest-Klängen.


Zum Einsatz kamen Dobro- und Slidegitarren, Mandoline, Banjo, Mundharmonika, Fidel und Akkordion ebenso wie das für die Cajun-Musik typische ´Lousiana Rubboard´, das einer Waschrumpel nachempfunden ist.


Der eigens für den Film komponierte Blues `Pickin´ White Gold´ wurde mit dem amerikanischen Gospelsänger Hannibal Means aufgenommen. Für den grandiosen Dixie-Sound sorgte die steirische Swing-Formation `Old Stoariegler Dixieland Band´.



Fotos: Copyright by ScienceVision

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