Deutsch | English

   » UNIVERSUM
   » Dokumentation
   » IMAX Film


   » News
     
Im Bann der Drachenberge

Get the Flash Player to see this player.


→ music download    

Es ist die längste und höchste Gebirgskette im südlichen Afrika. Vor Jahrhunderten meinten Menschen über dieser Felsformationen die Umrisse eines fliegenden Fabelwesens zu erkennen: die furchterregende Gestalt eines Drachen. Jedes Jahr machen sich Herden von Antilopen auf, um zum Dach der Drachenberge vorzudringen.


Buch & Regie: Lynne & Philip Richardson
Kamera: Philip Richardson
Schnitt: Jörg Achatz, Dave Dickie
Tonschnitt: Cornelius Wildner, Florian Camerer
Tonmischung: Cornelius Wildner
Vocal-Solisten: Insingizi
Musik: Kurt Adametz

Eine Koproduktion von ORF und Afrika Wildlife Films in Zusammenarbeit mit thirteen, WDR und BBC


Scharf geschnittene Brüche und Plateaus aus dunklem Gestein verleihen diesem Gebirge eine unverwechselbare Form. Die Drakensberge entstammen einer der größten Umwälzungen der Erdgeschichte. Als vor fast 200 Millionen Jahren der Urkontinent Gondwana begann auseinander zu brechen, ergossen sich unvorstellbare Mengen von geschmolzenem Gestein über diesen Teil der Erdkruste. Das harte Vulkangestein als oberste Schicht bildet Landschaftsformen, die manchmal nicht von dieser Welt scheinen. Wegen seiner schroffen Formen nannten die Zulus das Gebirge: Wall aus Speeren.


Die Drakensberge erstrecken sich über mehr als 1000 Kilometer von der Kapregion bis in den Nordosten Südafrikas. Die höchsten Gipfel der Drachenberge ragen mehr als 3000 Meter in den Himmel. Doch an manchen Stellen zeigt sich unter dem kilometerdicken Basalt eine Sandsteinschicht, in die sanfte Täler eingebettet sind.


Elen-Antilopen leben normalerweise in den weiten Grasland-Ebenen Ost- und Südafrikas. Sie sind die größten Antilopenart der Welt, die Bullen können 800 Kilogramm wiegen und messen bis zur Schulter einen Meter siebzig.


Einige Herden hat es in die Drakensberge verschlagen und sie scheinen diese Gebirgslandschaft schon seit Urzeiten zu durchstreifen. Das bezeugen viele Höhlen der Drachenberge. Hier haben Menschen vor Jahrtausenden ihr Jagdglück in kunstvollen Felsmalereien beschworen. Elen-Antilopen waren für diese Menschen die wichtigste Jagdbeute.


In den höheren Lagen der Drakensberge lebt im Felsenrelief ein Klan von geborenen Kletterern. Wie die riesigen Antilopen würde man auch sie eher in afrikanischen Savannen vermuten als im Gebirge. Bärenpaviane genießen die warmen Sonnenstrahlen des Frühlings.


Doch die Paviane kann jederzeit aus heiterem Himmel ein eiskalter Schauer erwischen. Wenn sie nicht rechtzeitig in die zahlreichen Höhlen und Felsüberhänge flüchten können. Innerhalb von Minuten kann ein Sturm aufziehen. Das Wettersystem transportiert große Mengen Feuchtigkeit vom Ozean, der stellenweise nur 150 Kilometer entfernt ist.


Für die Elen-Antilopen gibt es keinen Unterstand. Als Savannenbewohner kommen sie gut mit Hitze und Trockenheit zurecht. Aber das andauernde nasskalte Wetter treibt sie an ihr Limit. Der Regen bringt nicht nur Kälte, sondern auch Hunger mit sich. Das Gras, von dem die Antilopen leben, braucht Wasser - aber nicht solche riesigen Mengen auf einmal. Die ständig durchnässten Halme verlieren schnell ihren Nährwert.


Für die Herde gibt es keine Alternative: Sie muss aufbrechen - zu den höheren Lagen der Drakensberge, wo die Bergwiesen bald zu grünen beginnen. Elen-Antilopen sind geborene Nomaden, sie sind es gewohnt, sich in großen Maßstäben zu bewegen.


Doch die Kälte war zuviel für eines der Kälber. Die Kap-Geier machen sich als erste über den Kadaver her. Kapgeier sind oft mehr als 10 Kilo schwer und mit scharfen Schnäbeln bewaffnet. Ein Bartgeier wartet geduldig im Hintergrund. Die Gelassenheit hat einen Grund: Bartgeier sind auf Knochen spezialisiert und müssen sich nicht am allgemeinen Gezerre um die letzten Fleischstücke beteiligen.


Bartgeier erreichen eine Flügelspannweite von drei Metern. Diese Vögel sind Meister des Gleitfluges. Fast ohne Flügelschläge schweben sie mit den thermischen Aufwinden zwischen den Felswänden der Drakensberge. Dieser Vogel fliegt auch noch, wenn er einen mehrere Kilogramm schweren Knochen zwischen den Krallen hat.


Plötzlich lässt er ihn fallen. Der große Knochen schlägt auf und zersplittert. Der Schnabel des Bartgeiers ist zu schwach, um an das Knochenmark zu kommen. Deshalb hat er diese erstaunliche Methode entwickelt. Bartgeier fliegen zu diesem Zweck sogar besonders geeignete Stellen an, die `Knochenschmieden´. Der Rest des Knochenmaterials wird von der starken Magensäure aufgelöst. Kleines Gebein wird im Ganzen geschluckt - und auch nicht ganz so kleines...


Der Übergang vom Frühling zum Sommer bringt selbst Drachenberge zum Blühen. Die Elen-Antilopen können jetzt noch schnell Reserven für die anstehenden Strapazen anlegen.


Die Blütenpflanzen hier haben schon einiges hinter sich. Bevor sie sich so entfalten können, müssen sie extreme Niederschläge und strengen Frost überstehen.


Im Gegensatz zur unsteten Lebensweise der Antilopen sind die Bärenpaviane sesshaft. Sie müssen mit dem auskommen, was sie vor Ort finden. Und das ist im Moment eine ganze Menge. Doch der Segen wird nicht mehr lange anhalten. Dafür sorgen die heftigen Sommerregen. Tropfen für Tropfen waschen die Niederschläge die Nährstoffe aus den Halmen.


Im Sommer scheint der Regen manchmal gar nicht aufzuhören. Fast jeden Tag schüttet es. Die Paviane haben sich damit arrangiert. Sie sind flexibel, auch was ihre Ernährungsgewohnheiten betrifft. Das Gras schmeckt vielleicht scheußlich, aber Paviane können es sich nicht leisten, wählerisch zu sein. Wenn das Gras wirklich nichts mehr hergibt, verlegen sie sich darauf, Wurzeln auszugraben.


Innerhalb weniger Wochen verfärben sich die grünen Hänge. Mit dem Herbst bricht in den Drakensbergen die Trockenzeit an. Die Herde muss weiter ziehen. Auch wenn manchmal ein junges Mitglied auf der Strecke bleibt. Zwei von drei Elen-Antilopen vollenden ihr erstes Lebensjahr nicht.


Die schwer geprüfte Herde ist unter ständiger Beobachtung aus der Luft. Den Aasfressern entgeht kein Opfer des Hungers und der Erschöpfung. Die erheblichen Bestände von Geiern sind ein Hinweis darauf, dass auf den Hängen der Drakensberge viele größere Tiere verenden.


Viele der Flüsse führen auch zu dieser Jahreszeit noch Wasser. Die Flusstäler bilden grüne Korridore in Richtung der Gipfel. Die Antilopen-Herden folgen den Vegetationsstreifen an den Ufern der Flüsse stromaufwärts. Bald wird die Herde die steileren Flanken der Drakensberge bezwingen müssen.


Die Antilopen-Herde hat nun den anspruchsvollsten Teil ihres Weges vor sich. Doch jenseits der steilen Felsen erwartet sie frisches Grasland. Auf dem Weg zum Gipfel durchqueren sie auch das Territorium der Paviane. Die höchsten Erhebungen des Gebirges liegen auf 3400 Metern. Elen-Antilopen wurden schon auf Seehöhen von 2800 Metern und mehr beobachtet.


Aber gerade in den exponierten Lagen der Drakensberge lauern die größten Gefahren. Das Wetter kann innerhalb von Minuten umschlagen. Wenn jetzt der Blitz einschlägt, ist die Katastrophe perfekt. Dann rast das Feuer schneller über den Berg, als die Tiere laufen können.


Die letzten Glutnester verlöschen langsam. Aber der Brandgeruch wird noch wochenlang über der Landschaft liegen. Der Bartgeier gleitet über versengte Hänge und rauchgefüllte Täler. Für ihn wird es eine reiche Nachernte geben. Die Elen-Antilopen gehören nicht dazu. Ihre Herde ist dem Inferno entkommen. Doch statt dem Duft nach süßem Gras umgibt sie nur kalter Rauch. Der Drachenberg droht, sie auszuhungern.


Vor den Antilopen liegt ein weiterer entbehrungsreicher Marsch. Die Elen-Antilopen haben das nächste Hochtal erreicht. Hier lugen frische Halme aus dem Boden. Aber sie sind bei weitem nicht genug für ganze Herden von massigen Grasfressern.


Sie ziehen weiter den Berg hinauf, dabei verfolgt sie kalter Nebel, der die Hänge umhüllt. Im Spätsommer wird es bei Wetterstürzen bereits empfindlich kalt. Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt sind für Jungtiere lebensgefährlich.


Die Paviane vermissen ein Junges. Immer wieder sucht die Mutter mit ihren Blicken den Horizont ab. Doch dann wird die böse Ahnung zur Gewissheit. Vielleicht hat sich der Baby-Pavian im Nebel verlaufen und ist an Unterkühlung gestorben.


Manchmal schleppen Paviane ihre toten Jungen tagelang mit sich herum. Vielleicht fällt es ihnen schwer, Abschied zu nehmen. Die Mutter hat bis zuletzt auf ein Lebenszeichen gewartet. Aber jetzt ist klar, dass keine Hoffnung mehr besteht.


Die Elen-Herde hat das Hochplateau erreicht. Die größte Antilope der Welt hat das höchste Gebirge in ihrem Lebensraum bezwungen. Doch die Herde kommt spät. Innerhalb kürzester Zeit kann der Winter über die Gipfel hereinbrechen.


Zu Nebel und Regen kommen zunächst Hagelkörner. Dann fällt der erste Schnee dieses Jahres. Das eisige Wettersystem stammt direkt aus der Antarktis. Schnee ist in Südafrika ein äußerst seltenes Naturereignis.


Die Antarktis-Front ist durchgezogen. Der Winter wird nicht allzu lange dauern am Dach Südafrikas. Nach etwa zwei Monaten ist es überstanden. Die Herde ist inzwischen in tiefere Lagen abgestiegen. Hier ist zwar das Gras braun, aber das Wetter weniger lebensgefährlich.


Von den Kälbern, die vergangenen Frühling und Sommer geboren wurden, vollendet bestenfalls die Hälfte ihr erstes Lebensjahr. Sie mussten Hunger, Feuer und Schnee trotzen. Aber jetzt ist für sie das Schlimmste überstanden.


Schon vor Jahrtausenden haben Höhlenmaler die Kraft der Elen-Antilopen beschworen. Seither haben unzählige Generationen die Spuren ihrer Hufe auf den Hängen der Drachenberge hinterlassen. Diese Fährten bezeugen die elementare Verbindung zwischen den Tieren und dem Massiv, das sie zu bezwingen gelernt haben: die Legende vom Bann der Drachenberge.


Ein musikalisches Highlight der Universum-Soundtracks ist durch die Zusammenarbeit mit dem Gesangs-Trio „Insingizi“ entstanden. Die drei a capella-Sänger aus Zimbabwe haben ihre außergewöhnliche Musikalität eingebracht und mit ihrem Beitrag dem Film einen authentischen und unverwechselbaren Sound verliehen. So klingt Afrika wie man es sich im besten Fall erwarten darf.



Fotos: Copyright by Afrika Wildlife Films

   Zurück