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Almendro - Baum des Lebens
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In den Regenwäldern Costa Ricas wachsen eindrucksvolle Urwaldriesen, die Almendro-Bäume. Sie beherbergen von der Wurzel bis zur 50 Meter höher gelegenen Krone an die tausend verschiedenen Lebewesen, und über 60 Tierarten genießen ihre Früchte.


Regie: Barbara Puskás
Buch: Ina Knobloch, Barbara Puskás
Kamera: Robert Winkler, James Clare
Schnitt: Jörg Achatz
Ton: Joe Knauer, Paul Wood-Walker
Tonschnitt: Michaela Müllner
Tonmischung: Eckart Goebel
Musik: Kurt Adametz

Solist: Eduardo Artavia
Eine epo-film Produktion für ORF in Zusammenarbeit mit bm:bwk


Über dreihundert Jahre alt, fünfzig Meter hoch und 15 Meter Stammumfang. So sieht der Steckbrief des Almendro aus.
Der Urwaldriese steht im Norden Costa Ricas, nahe der nicaraguanischen Grenze. Er ist eine der imposantesten Baumpersönlichkeiten des Regenwaldes. Von der Wurzel bis zur Krone beherbergt der Baum über Tausend verschiedene Lebewesen. Seine rosarote Blütenpracht bietet Nektar im Überfluss und seine namensgebenden Früchte, die Almendros, ernähren über sechzig Tierarten. Die Almendros, das spanische Wort für Mandel, sind etwa sechs Zentimeter große, ovale, grüne Früchte. Diese Steinfrüchte haben ein saftiges, nach Maracuja duftendes Fruchtfleisch, eine sehr harte Fruchtkapsel und einen wohlschmeckenden mandelförmigen Kern.


Affen, Nasenbären und Fledermäuse kauen nur das weiche Äußere ab, den Rest lassen sie fallen. Bodenbewohner wie Agutis und Igelratten können die harte Schale aufnagen. Sie fressen bevorzugt den Kern. Die nachtaktiven Pacas hingegen sind auf bereits geöffnete Früchte angewiesen. Aber selbst Früchte, die in Bächen und Flüssen landen, bleiben nicht ungenützt. Buntbarsche und Salmer stürzen sich sofort auf solche Geschenke des Himmels. Große Fische schlucken die Almendros unzerkaut, kleine knabbern nur das restliche Fruchtfleisch ab. Sogar auf Weideland bleibt kaum eine Frucht längere Zeit liegen. Denn auch Pferde und Kühe lassen sich von dem süßen Duft verführen und verzehren Almendros.


Der wichtigste Almendro-Liebhaber ist jedoch der Grosse Grüne Ara - der Lapa Verde - wie der Papagei in Costa Rica genannt wird. Almendros und Lapas Verdes gehören untrennbar zusammen. Die prachtvollen Papageien ernähren sich während der Brutsaison fast ausschließlich von den mandelförmigen Kernen, und ihre Bruthöhlen befinden sich zu 80% in Almendrobäumen. Die beiden sind vor langer Zeit eine vielversprechende Beziehung eingegangen. Durch Raubbau und großflächige Schlägerungen wurden der Baum und sein Papagei jedoch in eine tiefe Krise gestürzt. Nun blickt das Paar einer ungewissen Zukunft entgegen. 1994 wurde ein Projekt zur Erforschung - und Rettung der Großen Grünen Aras ins Leben gerufen. Der Gründervater ist kein geringerer als der berühmte Umweltaktivist George Powell - er war auch für den Nationalpark Monteverde im Hochland Costa Ricas verantwortlich. Ulises Alemán, Guiselle Monge und Olivier Chassot sind heute das Herz der Gruppe. Sie haben ihr Leben dem Lapa Verde gewidmet. Ulises betreibt die Feldstudien, er kennt mittlerweile jedes Nest und beinahe jeden einzelnen Ara. Guiselle und Olivier verwerten seine Daten in wissenschaftlichen Studien und betreiben Lobbying für die Errichtung des Nationalparks Maquenque, durch den der Lebensraum von Almendro und Ara ein für alle Mal gerettet werden könnte.


Der Film zeigt einen Almendrobaum mit all seinen Bewohnern von der Wurzel bis zur Krone im Lauf eines Jahres. Die Kamera hebt sich von Etage zu Etage und eröffnet immer wieder neue Welten. In jeder Welt leben andere Wesen. Winzige Pfeilgiftfrösche nehmen ihre Kaulquappen huckepack und tragen sie einzeln in oftmals beachtliche Höhen zu einem mit Wasser gefüllten Bromelienkelch. Lianen, Kletterpflanzen und Bromelien, die den Stamm umhüllen, sind für viele Regenwaldbewohner willkommene Aufstiegshilfen. So treffen in der mittleren Etage Makibären, Granathörnchen und Glanzspitznattern aufeinander.


Die Dokumentation zeigt aber nicht nur die schönen Seiten des Landes, nicht nur die Bäume, die in mitten von unberührtem Regenwald stehen, sondern auch jene einsamen Riesen, die ihr trauriges Dasein auf ausgedehntem Weideland fristen. Diese Almendros überlebten die ersten Schlägerungswellen Anfang der achtziger Jahre, da die alten Sägen dem harten Holz nichts anhaben konnten.
Überraschenderweise werden nun gerade die freistehenden Almendros gerne von den Aras als Brutplatz gewählt. Ein Grund dafür sind die schwindenden Urwälder, ein weiterer aber mag sein, dass die Jungtiere in den kahlstämmigen Bäumen sicherer aufgehoben sind als in den dicht umwachsenen Dschungel- Almendros. In die Nester auf offener Flur gelangt kaum ein Raubtier.Making of
Drei Jahre lang wurde an dem Film gearbeitet. Produzent Dieter Pochlatko hat keinen Aufwand gescheut und insgesamt sechsmal ein Team für mehrere Wochen nach Costa Rica entsandt. Mit Hilfe von eigens angefertigten vierzig Meter hohen Türmen konnten die Aras von Angesicht zu Angesicht beobachtet werden. In die Bruthöhlen eingebaute Minikameras hielten die Aufzucht der Jungen aus nächster Nähe fest. Der gesamte Film wurde vor Ort gefilmt und enthält keine einzige Studioaufnahme. Regisseurin Barbara Puskás meint, dass es eine der interessantesten und schönsten Arbeiten war, wenn auch die schwierigste. Die Organisation vor Ort wurde durch das Wort 'manana' - 'morgen' bestimmt und das Wetter machte dem Team nur allzu oft einen Strich durch die Rechnung. Denn wie die Costaricaner sagen: Im Nordosten gibt es nur zwei Jahreszeiten: die Zeit des pausenlosen Regens und die Zeit der Regenpausen. Gleich beim ersten Dreh, im Dezember 2001, saß das Team drei Wochen lang im tropischen Dauerregen. An filmen war nicht zu denken. Die Ausrüstung war allein durch die extrem hohe Luftfeuchtigkeit nicht trocken zu halten, und die Optiken waren so gut wie immer angelaufen. Und kaum besserte sich das Wetter, hatte das Team längst andere Verpflichtungen und musste den Heimweg antreten. Aber selbst wenn es nicht regnet, sind die Drehbedingungen im Urwald nicht gerade angenehm. Interessantes Licht gibt es nur in den frühen Morgenstunden und einige Minuten lang vor Sonnenuntergang. Moskitos, winzige blutsaugende Mücken und entsetzlich juckende Milben machen stundenlanges Ansitzen und Anpirschen zum Martyrium. Dazu kommen Verzögerungen, die nicht einkalkuliert waren. Zweimal musste das Team die Türme umbauen, da ausgerechnet auf den ausgewählten Bäumen afrikanische Killerbienen eingezogen waren. Wenn sich diese ortsfremden Bienen für einen Angriff entscheiden, gibt es kein Entrinnen mehr. Also übersiedelte das Team lieber rechtzeitig und suchte nach anderen für den Dreh geeigneten Almendrobäumen. Ein Großteil der Araaufnahmen stammen von James Clare, einem ehemaligen Kameramann der BBC, der nun in Ecuador lebt. Er hat allein drei Wochen lang tagtäglich im Tarnzelt auf dem Turm in vierzig Meter Höhe gesessen und auf den Ausflug der Jungen gewartet. Das Gros der Bilder stammt von einem Österreicher. Robert Winkler, ein Allrounder, der im Spielfilm genauso zuhause ist, wie in der Naturdokumentation und im Werbegenre. Für den Ton ist Joe Knauer verantwortlich. Er hat aber bei Produktionen wie dieser weitaus mehr zu tun, als sich nur um den Ton zu kümmern. Er ist gleichzeitig Kameraassistent und kümmert sich um alle sogenannten Special Effects. Der Bildschnitt trägt die Handschrift von Jörg Achatz. Mit scheinbarer Leichtigkeit fügt er Szene an Szene, verleiht dem Film Tempo und lässt den Bildern dennoch die Zeit zur Wirkung zu kommen. Die Musik komponierte Kurt Adametz. In bewährt guter Zusammenarbeit geben seine Melodien dem Film eine ganz besondere Note und verstärken die Kraft der Bilder. Michaela Müllner und Eckart Goebel haben die gesamte Tonebene nachbearbeitet und zu einem kraftvollen Soundtrack zusammengefügt. Das Lapa Verde Lied hat der Costaricaner Eduardo Artavia geschrieben und komponiert und wurde von Kurt Adametz arrangiert.

Fotos: Copyright by epo-film

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