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Sterben für Hitler

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„Uns wurde noch beigebracht: Es ist süß für das Vaterland zu sterben!“ – Wie der Großteil seiner Klasse in einem Grazer Gymnasium meldet sich auch Dietrich Ascher 1940 freiwillig zur Wehrmacht – trotz seiner jüdischen Vorfahren: „Wir wollten einfach Helden werden!“.


Buch und Regie: Robert Gokl
Kamera: Christian Mehofer
Ton: Josef Kernegger, Jürgen Nussbaumer
Schnitt: Oliver Wendlinger
Tonmischung: Hermann Langschwert
Musik: Kurt Adametz

Eine Koproduktion von ORF und pre tv, gefördert vom „Zukunftsfonds der Republik Österreich“ und CineStyria Filmkunst


Mehr als drei Millionen deutscher Soldaten griffen am 22. Juni 1941 überraschend die Sowjetunion an. Hier, an der Ostfront, sah die nationalsozialistische Führung ihr eigentliches Kriegsziel: die Vernichtung des Bolschewismus als ideologischer Konkurrenz und die Gewinnung von „Lebensraum“ für die „arische Rasse“ durch die teilweise Vertreibung und Ermordung der Bevölkerung Osteuropas.


Wieder sollte es ein „Blitzkrieg“ werden – mit einem triumphalen Sieg innerhalb weniger Monate. Aber es kam anders: Vier Jahre später war die Ostfront das Synonym für die furchtbarsten Schlachten, die höchsten Opferzahlen und die größten Verbrechen dieses Krieges.


„Ich habe diesen ganzen Krieg wie einen Raubzug erlebt“ – auch Lisbeth Ascher, die Cousine von Dietrich Ascher, meldet sich freiwillig an die Front, als Rot-Kreuz-Krankenschwester. Drei Jahre lang arbeitet sie unter furchtbaren Bedingungen in Lazaretten an der Ostfront, tagtäglich konfrontiert mit den Folgen des Krieges für die deutschen Soldaten. Aber Lisbeth Ascher hat keine Zweifel: „Wir haben es provoziert! Wir waren die Angreifer! Und das war uns damals vollkommen klar! Jedenfalls mir!“


„Ich kämpfte aus Überzeugung! Ich war ein politischer Soldat!“ – Karl Gabriel meldet sich mit 17 Jahren freiwillig zur Waffen-SS, aber je länger der Krieg dauert, desto weniger glaubte auch er noch an einen Sieg. Die Ausrufung des „totalen Krieges“ kann nichts an der militärisch ausweglosen Situation im „siegreichen Rückzug“ ändern. „Heute weiß ich, welche Verbrecher Hitler und die nationalsozialistische Führung waren! Wir hätten ihnen selbst den Prozess machen sollen, in Nürnberg!“


„Es kann mit den Russen gar nicht schlechter werden als jetzt mit Euch!“ – Werner Schüssler erlebt den Rückzug als Gebirgsjäger durch Rumänien und Ungarn bis nach Schlesien. Mit seiner privaten Leica-Kamera dokumentiert er den Alltag des Krieges, die von deutschen Hilfstruppen geplünderten Häuser, die Erschießung sowjetischer Kommissare und eines gefangenen Rotarmisten, aber auch die Hinrichtung eines Selbstverstümmlers aus der eigenen Einheit.


Für den Film reiste Dietrich Ascher gemeinsam mit Gestalter Robert Gokl noch einmal dorthin zurück, wo er damals mit 18 Jahren ein „Held“ werden wollte, als Sturmgeschütz-Kommandant. Für seine „Tapferkeit“ erhielt er das Ritterkreuz, aber das „Heldentum“ hatte er sich anders vorgestellt: „Das Schlimmste war die Einsamkeit an der Front! Manchmal wäre ich froh gewesen, wenn ich das alles nicht mehr erlebt hätte! Und wenn ich wie die Gefallenen endlich Ruhe gehabt hätte!“


Heute ist es ihm wichtig, die Gräben der Vergangenheit zuzuschütten: „Der Krieg ist ein Versagen der Gesellschaft von oben bis ganz unten! Ich hoffe, dass wir in Europa nie wieder Krieg haben werden!“


Nach den Landungen der Alliierten in Italien und Frankreich stand das Dritte Reich in einem völlig hoffnungslosen Dreifrontenkrieg – und verlangte von seinen Soldaten immer noch den „erbitterten Kampf bis zum Endsieg“. Erst im Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa endlich zu Ende, die Wehrmacht geschlagen, die Überlebenden in den Konzentrationslagern befreit.


Der „Führer“ entzog sich wie viele Mittäter durch Selbstmord der Verantwortung – auch vor den eigenen Soldaten. Die Suche nach den Kriegsverbrechern und nach Gerechtigkeit für die Opfer dauert bis heute an.

Fotos: Copyright by ORF

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