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Marika Rökk

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Ein Star für alle Jahreszeiten

„Sie war sehr lieb, aber auch sehr energisch“, meint Johannes Heesters über Marika Rökk. Der 107-jährige Künstler erzählt über die gemeinsamen Dreharbeiten mit der Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin. „Die Rökk“ war zwar „erst“ 90 Jahre alt, als sie starb, aber 80 davon verbrachte sie auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“.


Buch und Regie: Andreas Novak
Kamera: Werner Veits
Ton: Georg Grömer
Schnitt: Andreas Novak
Mischung: Florian Camerer
Musik: Kurt Adametz

Eine Produktion des ORF


Die ersten Filmaufnahmen mit der Rökk stammen aus 1930 und zeigen die 17-jährige Rökk mit den berühmten „Tiller-Girls“.
Als Hitler 1933 an die Macht kommt, wird die Volksgemeinschaft zum Gesamtkunstwerk des Gleichschritts. Kunst wird nun zum Bekenntnis, zur völkischen Nabelschau, zum Gesinnungswettbewerb.


Speziell das neue Massenmedium Film muß auf Linie gebracht werden. Die Budgets werden massiv nach oben gefahren weil nun Kultur als zentrales Propagandainstrument erkannt wird und die politische Führung dieses Instrument auch entsprechend steuern will.


Der Film unter dem Hakenkreuz braucht Stars, im Komödienbereich gibt es genug, doch nicht im Musik- und Revuefilm. Da kommt die Rökk wie gerufen.Die damals 20-jährige hatte bereits Auftritte in New York, London, Paris und Monte Carlo absolviert.Ihr Ufa-Filmvertrag sollte sie neben Zarah Leander und Johannes Heesters zu den Spitzenstars des Musik- und Revuefilms unter dem Hakenkreuz machen.


Als Rökk 1935 ihren ersten Ufa-Film drehte, war sie bereits eine international bekannte Tänzerin, zum Star machten sie jedoch erst die deutschen Musikfilme in der Regie ihres Mannes Georg Jacoby.


Heesters und Rökk drehten sechs Filme miteinander. Rökk gehörte neben Zarah Leander und Johannes Heesters zu den Publikumslieblingen des Musik- und Revuefilms unter dem Hakenkreuz.


Mit Kriegsbeginn wird Marika Rökk zur „Stimmungs-Aufhellerin“. Rökk präsentiert sich als aufheiternder Wirbelwind in Zeiten von Flächenbombardements und Mangelwirtschaft. Von Wehrmachtssoldaten bekommt sie tonnenweise Fanpost.


Adolf Hitler zollt Bewunderung, schickt Marika Rökk einen Blumenstrauß und gratuliert zur künstlerischen Meisterschaft. Rökk dankt schriftlich. Das NS-Regime war „prominentensüchtig“. Nach der Vertreibung jüdischer Kunsteliten benötigte es Werbeträger und Beweismittel für die Kontinuität der Unterhaltungsindustrie und der Kulturleistungen unter dem Hakenkreuz.


Sie verstand sich zeit ihres Lebens als unpolitisch, nur der Kunst und dem Publikum verpflichtet, der Unterhaltung, dem Lachen und der Ablenkung, niemals der Politik. Die hat sie nie interessiert. Wieweit diese Trennung während der NS-Zeit überhaupt gelingen konnte ist unbeantwortet.


Ebenso das ambivalente Beziehungsgeflecht zwischen Kunst und Macht. Nicht umsonst ressortierten die Kulturagenden bei Propagandaminister Joseph Goebbels. Über die Konflikte mit ihm hat Marika Rökk zwar nach dem Krieg berichtet, anderes aber zeit ihres Lebens verschwiegen.


Nach Kriegsende tritt sie kurzfristig bei den Amerikanern auf, die sie aber dann auf die schwarze Liste setzen und bis 1948 Auftrittsverbot verhängen. Rökk fühlt sich als Opfer. „Wofür habe ich gebüßt?“, fragt sie verbittert und empört, „ich war weder bei der NSDAP noch habe ich mich politisch betätigt.“ Auch der Verdacht, Nazispionin gewesen zu sein steht, im Raum.


Nach Aufhebung der Sperre setzt sie ihre Karriere wie viele andere nahtlos fort, nun mit österreichischen und deutschen Revuefilmen. Ihr ungarischer Akzent und ihr überschäumendes Temperament machen sie unverwechselbar und ungebrochen zum Publikumsliebling.


Rökks Aufstieg und herausragendes Unterhaltungstalent ist nicht an Systeme und Ideologien gebunden. Es war nicht nur in der Diktatur gefragt, sondern auch gleichermaßen bei den Besatzungsmächten und in der Zweiten Republik. Die Rökk, ein Star für alle politischen Jahreszeiten.


Mit den 1950er Jahren drängen immer mehr Filmproduktion aus Übersee, speziell aus Hollywood, in den deutschsprachigen Markt.


In den 1960er Jahren wechselt sie zu Theater, Fernsehen, Operette und Musical. Das Fernsehen macht die ungebrochen populäre und vitale Tänzerin zum Dauergast in den heimischen Wohnzimmern.


Die „Gräfin vom Naschmarkt“ wurde der Rökk 1978 auf den Leib geschrieben. 1992, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, darf sie endlich in ihrer Heimatstadt Budapest auftreten. Die mittlerweile 79-jährige gibt die „Gräfin Mariza“. „Mein Publikum ist mir immer treu geblieben“, meinte die Rökk bei ihrem letzten öffentlichen Auftritt im Jahr 2002.

Fotos: Copyright by ORF

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