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Heil Hitler, Herr Lehrer

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Jugend unterm Hakenkreuz

Wer im März 1938 in die Schule ging, musste es tun. Es war vorgeschrieben, man konnte sich dieser Pflicht nicht entziehen. Der Lehrer kam, hob die Hand und grüßte mit „Heil Hitler“ – und die Kinder in der Klasse taten es ihm nach. An jedem Schultag, jahrelang. Es blieb in den Köpfen jener Generation, wie vieles andere, was damals durch die nationalsozialistische Diktatur eingetrichtert wurde.


Buch und Regie: Peter Liska
Kamera: Ralf Rabenstein
Schnitt: Frank Huzij
Ton: Michael Hensel
Musik: Kurt Adametz

Eine Produktion des ORF


Sieben Jahre lang wurde in der sogenannten Ostmark die Jugend indoktriniert. Nicht nur in der Schule, vor allem in der einzigen zugelassenen Jugendorganisation – der „Hitlerjugend“.


Sofort nach dem „Anschluss“ 1938 wurden, ebenso wie in Deutschland, sämtliche Kinder und Jugendliche ab dem zehnten Lebensjahr über „Jungvolk“, „Hitlerjugend“ (HJ) und den „Bund deutscher Mädchen“ (BDM) in ein paramilitärisches Ausbildungs- und Erziehungssystem eingegliedert.


Mit Zeltlagern, Heimabenden, Wochenendausflügen und Wettkämpfen förderte das Regime die Abkoppelung von der Familie. Hitlers suggestive Reden an die Jugend und die gezielte Propaganda stärkten das Selbstwertgefühl, den Eindruck, gebraucht zu werden und ein bedeutender Bestandteil der Volksgemeinschaft zu sein.


Der neue, junge deutsche Herrenmensch hatte sein Leben ebenso wie die Erwachsenen einem Willen unterzuordnen. In eigenen „Nationalpolitischen Erziehungsanstalten“ sollte eine Elite herangezüchtet werden. So zum Beispiel in Traiskirchen, dem heutigen Flüchtlingslager. Der Drill begann im Alter von zehn Jahren.


Der „Führer“ wurde wie ein Gott verehrt, geliebt, angebetet – und gehasst. Viele, die versuchten sich dem Gruppendruck zu entziehen, wurden gestraft, verfolgt, misshandelt. Sie kamen in nationalsozialistische Jugendheime und sollten dort auf Linie gebracht werden. Einige Eltern, die sich weigerten, ihre Kinder in die HJ zu schicken, bezahlten das mit ihrem Leben.


Für die meisten aber war die Zeit in der „Hitlerjugend“ und beim „BDM“ zunächst eine Zeit der Abwechslung, ein Abenteuer, ein Gemeinschaftserlebnis.


Mit Beginn des Krieges wurde der eigentliche Zweck der NSJugendorganisationen deutlicher erkennbar. Buben und Mädchen wurden als Flakhelfer, im Luftschutzdienst, beim Stellungsbau und schließlich an der Front eingesetzt.


Gegen Kriegsende fanden Tausende Hitlerjungen den Tod. Sie wurden als letzte Reserve verheizt. Gemäß der Parole „Kampf bis zum letzten Mann“ wurde eine auf Gehorsam geschulte Generation bewusst ins Verderben gehetzt.


Zahlreiche Zeitzeugen – u. a. Ex-ORF Generaldirektor Gerd Bacher, der Psychoanalytiker Richard Picker und der ehemalige Justizminister der FPÖ, Harald Ofner – schildern ihre Erlebnisse, ihre Hingabe, ihre Verblendung, ihre Opferbereitschaft – ihre Enttäuschung, ihre Todesängste, ihre Ernüchterung.


Viele wendeten sich von der nationalsozialistischen Ideologie ab, bei einigen wirkt die Indoktrinierung bis heute.

Fotos: Copyright by ORF

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