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Hitlers Blitzkriege

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„Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurück geschossen“, verkündet Adolf Hitler am 1. September 1939. Der Zweite Weltkrieg beginnt mit einer Lüge. Um den Angriffskrieg zum Verteidigungskampf zu manipulieren, muss Polen als Aggressor vorgeführt werden.


Buch und Regie: Andreas Novak
Kamera: Werner Veits
Schnitt: Andreas Novak
Ton: Georg Grömer
Tonmischung: Florian Camerer
Musik: Kurt Adametz

Eine Produktion des ORF


Hitler, der Politik grundsätzlich und Außenpolitik im speziellen ausschließlich vom Standpunkt der Unterwerfung betreibt, wird von Frankreich und England, den Siegermächten des Ersten Weltkriegs, erst nach dem Einmarsch in Polen militärischer Widerstand entgegengesetzt.


Doch bis dahin ist die Wehrmacht zur besten Kampfmaschine Europas hochgerüstet, ein ganzes Volk uniformiert, Österreich und das Sudetenland in Blumenkriegen erobert und trotz gegenteiliger Versprechen auch der Rest der Tschechoslowakei geschluckt. Die Politik des Nachgebens und der Kompromisse zur Erhaltung des Friedens in Europa war gescheitert.


Vor dem großen Sterben an den russischen Fronten lag die Phase militärischer Erfolge, die Unterwerfung großer Teile Europas. Nicht erst in der Sowjetunion, sondern bereits im September 1939 in Polen wird der Angriffskrieg zum Vernichtungskrieg.


Die schnelle Eroberung europäischer Staaten wie Polen, Norwegen, Frankreich oder Griechenland, die binnen weniger Wochen erfolgten Kapitulationen erweckten kurzfristig auch bei vielen Skeptikern den Eindruck der Unbesiegbarkeit der Wehrmacht und ihres obersten Kriegsherrn.


Sowjetunion im Juni 1941. Hitler verordnete Aufrüstung, Einmarsch und Krieg, um Deutschland von den Friedensverträgen zu befreien, die von den Siegern des Ersten Weltkriegs nach 1918 verordnet wurden, von der sogenannten „Schande von Versailles“. Doch schon während der ersten Kriegsjahre sollte deutlich werden, dass man nach der Heimkehr mit noch größerer Schande überhäuft sein würde.


Hitler führt Blumenkriege, Grenzrevisionskriege, Revanchekriege, Wirtschaftskriege, Eroberungskriege, Rassenkriege und Vernichtungskriege. Die Feldzüge sind zwar durch unterschiedlichste Ursachen getrennt, durch das Leitmotiv der Unterwerfung aber wieder miteinander verknüpft.


Für jene, die künftig wie Schachfiguren an den unterschiedlichsten Fronten hin und her geschoben werden sollten, beginnt ab 1939 das Leben im System von Befehl und Gehorsam. Die nationalsozialistische Rassen- und Kriegsideologie ermöglicht auf der einen Seite bereits während der Blitzkriege das sanktionsfreie Ausleben von Sadismus und moralischer Anarchie, die Entkoppelung des soldatischen Handelns von den Prinzipien des Kriegsrechts und der Humanität.


Auf der anderen Seite versetzt der verordnete Frontkampf eine überwiegend junge Generation in permanente mentale Ausnahmezustände. Er wird zum elementarsten biografischen Bruch im Leben dieser Menschen, er bringt die permanente Konfrontation mit Verrohung und den Abbau von Tötungshemmungen.


Damit hatten viele ihr Leben lang zu kämpfen, taten dies mit unterschiedlichsten Reaktionsmustern. Die Palette reicht vom Schweigen bis hin zu intensiver Erzähllust. Die meisten der befragten Zeitzeugen berichten erstmals über ihre Kriegserlebnisse, fanden erstmals den Mut zur öffentlichen Erinnerung und erzählen auch ihren Familien bisher Verschwiegenes.


Die Auswahl der Gesprächspartner sollte gleichzeitig die unterschiedlichen Zugänge und Annäherungen zu Soldatentum und Krieg spiegeln: von der Distanz zu NS-Regime und Wehrmacht über Anpassung an das Diktat des Faktischen bis hin zum befehlstreuen, kampfbereiten Soldaten, der Hitlers Kriege als militärischen Befreiungsakt vom Diktat der Siegermächte des Ersten Weltkriegs versteht.

Fotos: Copyright by ORF

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