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Admont - Universum im Kloster
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In einer imposanten Naturlandschaft am Eingang zum Nationalpark Gesäuse liegt das 1074 gegründete Benediktinerstift Admont. Es beherbergt eine Barockbibliothek der Superlative. Als größte, älteste und wohl auch schönste weltweit versammelt sie 200.000 Bücher und unschätzbar wertvolle Handschriften unter ihrem Dach.


Buch & Regie: Michael Schlamberger
Kamera: Michael Schlamberger, Hubert Doppler
Schnitt: Andrew Naylor
Ton & Tonmischung: Raimund Sivetz
Tonschnitt: Martin Rohrmoser
Musik: Kurt Adametz

Eine Koproduktion von ScienceVision und Stift Admont, gefördert von Cinestyria


Berge, Berge, Berge. Soweit das Auge reicht. Kaum vorstellbar, dass zwischen all den Bergen noch irgendetwas Platz hat. Umso größer die Überraschung. Zwischen all den Bergen ein Ort der Spiritualität. Aber nicht nur. Inmitten dieser Bergwelt eine Bibliothek der Superlative: Der größte klösterliche Bibliothekssaal der Welt. Die Berge von Büchern stehen jenen der Umgebung in Sachen Pracht und Ewigkeit um Nichts nach. Und umgekehrt auch nicht.


Am Eingang des Gesäuses liegt das Benediktinerstift Admont. Es liegt dort seit 1074, dem Jahr seiner Gründung. Seit seinen Anfängen ist das Stift Admont ein Zentrum der Wissenschaft. „Ora et labora et lege. 'Bete und arbeite und lies'. Die Mönche leben nach den Regeln des Heiligen Benedikt von Nursia. Er gilt als Vater des westlichen Mönchstums.


Im Mittelalter werden Handschriften in mühevoller Kleinarbeit kopiert. Die Mönche nehmen beschwerliche Reisen auf sich, um neue Werke ausfindig zu machen. So entsteht mit der Zeit ein wissenschaftliches Netzwerk - eine Art mittelalterliches Internet. Die Büchersammlung entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte zu einem gewaltigen Archiv des Wissens und der Wissenschaft.


Die Stiftsbibliothek beherbergt über 1.400 Handschriften. Bibeln und theologische Schriften werden kunstvoll gestaltet und illustriert. Bereits im Mittelalter hat Admont eine der umfangreichsten Sammlungen der christlichen Welt. Die Stiftsbibliothek wird von den Mönchen von Anfang an als Universalbibliothek aufgebaut. Schon im 12. Jahrhundert sammeln sie philosophische, geografische und naturkundliche Werke, darunter auch über 40 medizinische Handschriften. Viele dieser Werke stammen auch aus nichtabendländischen Kulturkreisen.


In keinem Kloster der Welt ist jemals ein ähnlich großer Bibliothekssaal gebaut worden: 70 m lang, 14 m breit, 12 m hoch. Und über allem 7 gewaltige Kuppeln. Die Skulpturen stammen von Josef Stammel, dem spätbarocken Meister der Pathetik und der bühnengleichen Inszenierung. Besonders berühmt seine Darstellung der 'Vier letzten Dinge', die da sein sollen: Tod, Gericht, Himmel und Hölle.


Im Kontrast dazu steht der Glanz einer neuen Zeit. Die weiße Farbgebung und die leuchtende Vergoldung der Bücherregale tauchen den Raum in irdische Helligkeit. Eine in Architektur gegossene Symbolik der beginnenden Epoche der Aufklärung.


Beim Schmökern kann es schon passieren, dass einem da und dort Bücher in die Hände fallen, die man in einer klösterlichen Bibliothek als letztes suchen würde. Selbst der christlichen Schöpfungslehre darf hier widersprochen werden. Zumindest von Charles Darwin und in Buchform.


Wie immer der Mensch zum Menschen wird: Die Admonter Mönche stehen den Naturwissenschaften seit jeher aufgeschlossen gegenüber. Neben den Büchern beginnen die Mönche schon frühzeitig auch naturkundliche Objekte zu sammeln.


Was heute hier zu bestaunen ist, hat Pater Strobl in 44 Jahren zusammengetragen. Seine große Leidenschaft aber gilt den Insekten. Unvorstellbare 225.000 Exemplare bleiben der Nachwelt erhalten.


Die Mönche von Admont besteigen Berge nicht aus Langeweile. Sie klettern aus Lust am Forschen. Sie vermessen die Gipfel, erkunden die Wälder, sammeln Pflanzen und Tiere. Man nennt sie 'Wissenschaftler in Kutte und Nagelschuh'. Lange vor der Professionalisierung des Bergsteigens und ohne nennenswerte Ausrüstung dringen die wissensdurstigen Diener Gottes in die höchsten Gipfelregionen vor. Ein damals mitunter lebensgefährliches Unterfangen.


1865 ist Feuer am Dach. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das Stift brennt bis auf die Grundmauern nieder, Kirche inklusive. Neben Schutt und Asche gibt es aber auch ein Wunder: Die Bibliothek bleibt vom Feuer verschont. Ein Jahr nach der Feuersbrunst beginnt der Wiederaufbau des Klosters.


Die Wirtschaftskrise 1930 zwingt das Stift zum Verkauf von Kunstschätzen. Zur finanziellen Katastrophe kommt neun Jahre später eine politische: Die Nazis zwingen die Mönche zur Aufgabe des Klosters und beschlagnahmen den gesamten Besitz.


Nach Ende des Krieges kehren die Mönche nach Admont zurück. Das Kloster ist in einem desolaten Zustand. Langsam beginnt der wirtschaftliche Wiederaufbau. Schritt für Schritt und Schilling für Schilling erholt sich das Kloster von den Folgen des braunen Interregnums. Es vergehen Jahre, bis aus der Not wieder eine Schönheit wird.


Neben der Barockbibliothek soll ein neues Großmuseum entstehen - Tradition und Innovation unter einem klösterlichen Dach. In der Gesamtheit des Ensembles entsteht ein zeitgemäßes Großmuseum mit einer Fläche von 7.600 m². Einzigartig ist die Symbiose aus alter Bausubstanz und neuer Baukunst.


Barock und Moderne wachsen trotz ihrer kontrastierenden Formensprache zu einer sich ergänzenden architektonischen Harmonie. Das gläserne Stiegenhaus ist so gesehen nicht einfach nur Verbindungsweg zwischen zwei Stockwerken. Es ist auch eine Metapher für die Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.


An die 70.000 Besucherinnen und Besucher bevölkern jährlich die heiligen Hallen der klösterlichen Museen. Im Kunsthistorischen Museum ist Platz für Kirchenschätze von der Romanik bis zum Rokoko. Gemälde sind hier genauso zu genießen, wie Skulpturen und kunstvoll verarbeitete liturgische Gewänder.


Die Sammlung Moderner Kunst schafft in der Gegenwart den passenden Platz für mögliche Schätze von morgen. Die Kunstwerkstatt 'Made for Admont' steht für Kunst als Spiegel gesellschaftlicher Realitäten, mitunter weit ab von konsumorientierter mainstream-art.


Von Anfang an war 'Made for Admont' eine Einladung an all jene Künstler, für die Kreativität, kritischer Zeitgeist und Spiritualität keine Widersprüche sind. Das Stift Admont gibt zeitgenössischer Kunst samt ihrer Verunsicherung ihren gebührenden Raum. Liberales Mäzenatentum in weltoffener Reinkultur.


Zwar wurde die Bibliothek seinerzeit kein Raub der Flammen, doch das historische Feuer hinterlässt aktuelle Spuren. UV-Strahlung und Feuchtigkeit, aber auch ständig steigende Besucherzahlen haben an der Pracht des spätbarocken Gesamtkunstwerkes ihre Spuren hinterlassen.


Den Büchern geht es nicht besser: 70.000 Stück sind verschmutzt und durch jahrhunderte lange Benützung in Mitleidenschaft gezogen. Und so begann im Frühjahr 2004 das Abenteuer der Restauration - ein Jahrhundertprojekt, denn noch nie wurden Arbeiten in vergleichbarem Ausmaß vorgenommen.


Im Zuge des Buchrestaurierungsprojektes wurde der gesamte Buchbestand aus dem Bibliothekssaal ausgelagert, gereinigt und auf Schäden hin untersucht. Etwa 5.200 Bücher – jene mit den schwersten Schäden – wurden in der Restaurierungszeit von knapp 4,5 Jahren von insgesamt 9 verschiedenen Restauratoren-Teams in ihren Ateliers restauriert.


Vom sprichwörtlich goldenen Handwerk bis hin zu akribischen, aber monotonen Reinigungsarbeiten von 130 Metern Gelände, reicht das Spektrum der 4-jährigen Restaurierungsarbeiten.


Alle Fenster werden vorsichtig in Einzelteile zerlegt und in mühseliger Handarbeit in ihren ursprünglichen Zustand gebracht. Original mundgeblasene Fenstergläser geben den restaurierten Rahmen den adäquaten Durchblick.


Im Frühling 2008 wurde das Projekt abgeschlossen und die Bibliothek erstrahlt wieder im neuen Glanz.



Fotos: Copyright by ScienceVision

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